Porsche Club Präsidenten-Treffen im Bayerischen Wald: 7 auf einen Streich
Treffen sich sieben g’standne Männer in sieben Porsche, und obendrauf und nebendran noch sieben taffe Frauen, dann wird daraus ein Porscheclub-Treffen der besonderen Art. Ohne Vereinsmeierei, ohne große Reden, einfach aus purer Freundschaft und Begeisterung für die Marke Porsche. Auch wenn es nur zwei Tage sind – ein bisschen Fahrspaß, Wiedersehensfreude und gemeinsame Erlebnisse müssen schließlich sein.
Text & Bilder: Frank Gindler

Organisiert hatte dieses zwanglose Treffen Wilfried Marr, Präsident des Porsche Club Regensburg. Auf den Spuren der Jubiläumstour zum 40-jährigen Bestehen seines Clubs (siehe PCLife 02-2026) hatte er einige Präsidentenkollegen eingeladen, um zumindest streckenweise die damalige Route noch einmal unter die Räder zu nehmen.
Für ein solches Treffen gibt es kaum eine passendere Region als den Bayerischen Wald: keine schroffen Berggipfel, keine engen Passstraßen à la Dolomiten, dafür geschwungene Landstraßen, flüssige Kurvenkombinationen und jede Menge Fahrspaß. Dass nur wenige Kilometer entfernt die Hausstrecken von Rallye-Legende Walter Röhrl liegen, ist schließlich kein Zufall. Wer einmal mit ihm unterwegs war, weiß, was es bedeutet, den Bayerischen Wald im Porsche zu er-fahren.

Die bayerischen Porsche Clubs waren bei diesem Treffen deutlich in der Überzahl. Wobei die Oberpfälzer bekanntlich schon ein ganz eigenes Völkchen sind – und Bonn nun wirklich nicht gerade zu Bayern gehört. Mit dabei waren:
- Reiner Senden, Porsche Club Altötting
- Heiko Winkler, Porsche Club Ingolstadt
- Thomas Eckl, Porsche Club für den klassischen 911 Süd
- Bernd Bätzner, Porsche Club Isartal-München
- Heiner Hasenrahm, Porsche Club Tegernsee
- Mario Pohlscheid, Porsche Club Bonn
Zusammen mit Gastgeber Wilfried Marr vom Porsche Club Regensburg war die Präsidentenrunde komplett.
Treffpunkt am Samstag war der Luftkurort Lam im Bayerischen Wald. Lam? Zur Orientierung: Wer aus Richtung München, Regensburg oder Passau anreist, hält sich zunächst in Richtung Deggendorf und Bodenmais. Von dort führt die rund 30 Kilometer lange Brennesstraße über den Großen Arber (1.455 Meter) und Lohberg nach Lam.
Unser Hotel lag etwas abseits und bot genügend Platz für weit mehr als unsere sieben Porsche. Die reservierten Parkplätze direkt vor der großzügigen Hotelanlage genügten uns vollkommen. Hier, wo sich sprichwörtlich Fuchs und Has‘ gute Nacht sagen, muss die Umgebung schon einen besonderen Reiz haben, um die zahlreichen Hotelbetten, Restaurants und Wellness-Bereiche zu füllen.
Porsche-Ausfahrt am Samstag: Kurvenspaß am Großen Arber
Tour Samstag – ca. 76 Kilometer, Fahrzeit rund 1 Stunde und 20 Minuten ohne Pausen

Zum Einfahren hatte Wilfried eine kleine Rundfahrt durch den Bayerischen Wald ausgearbeitet. Nicht zu schnell, nicht zu weit, aber genau richtig, um die ersten Kilometer in vollen Zügen zu genießen. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, was diese Region für eine Porsche-Ausfahrt so attraktiv macht: hervorragend ausgebaute Landstraßen, flüssige Kurvenkombinationen und nahezu perfekter Asphalt. Die Strecke schlängelte sich durch dichte Wälder, über sanfte Höhenzüge und eröffnete immer wieder eindrucksvolle Ausblicke auf die bewaldeten Bergrücken. Harmonische Kurvenradien, abwechslungsreiche Richtungswechsel und ein Fahrgefühl, das Mensch und Motor gleichermaßen genossen – Porsche-Fahrfreude in ihrer schönsten Form.
Großer Arbersee und Glaskunst in Arnbruck
Am Großen Arbersee lohnt sich ein Zwischenstopp. Am Fuß des Großen Arbers gelegen, spiegelt sich die Bergkulisse im klaren Wasser – ein ideales Motiv für Erinnerungsfotos. Von hier führte die Route auf abwechslungsreichen Landstraßen weiter in Richtung Arnbruck, idyllisch im Zellertal gelegen. Langgezogene Kurven, sanfte Steigungen und flüssige Passagen sorgten dafür, dass auch auf den nächsten Kilometern keine Langeweile aufkam.

Apropos flüssig: Arnbruck gilt als eines der Zentren traditioneller Glaskunst im Bayerischen Wald. Besonders bekannt ist Weinfurtner – Das Glasdorf, eine der bedeutenden Adressen für kunstvolle Glasarbeiten in Deutschland. Hier durften wir zwei Glasbläsern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und erleben, wie aus glühend heißem, flüssigem Glas kunstvolle Vasen und Objekte entstehen. Gleich nebenan werden diese im großen Verkaufsraum angeboten. In der weitläufigen Gartenanlage säumen Glasskulpturen aller Art die Wege. Sie zeugen von einer jahrhundertealten Handwerkskunst, die heute immer seltener wird. Gerade diese Verbindung aus Tradition, Kreativität und handwerklicher Präzision macht das Glasdorf zu einem der bekanntesten Ausflugsziele entlang der Bayerischen Glasstraße.
Traumstraßen durch den Lamer Winkel
Hinter Arnbruck wurde die Strecke noch reizvoller. Die Straße windet sich durch ausgedehnte Wälder und über kleine Höhenzüge. Immer wieder öffnen sich weite Panoramablicke auf den Lamer Winkel und die Gipfel des Bayerischen Waldes. Gerade hier zeigt sich, warum die Region auch bei sportlich orientierten Autofahrern zu den schönsten Mittelgebirgslandschaften Deutschlands zählt. Walter Röhrl lässt grüßen. Über die Waldschlößlstraße erreichten wir den nördlichen Teil unserer Porsche Tour. Harmonische Kurvenfolgen, gleichmäßige Radien und kurze Zwischensprints sorgten für Fahrspaß auf hohem Niveau. Die Rückfahrt über Arrach bildete den krönenden Abschluss. Noch einmal ging es durch dichte Wälder, vorbei an weitläufigen Wiesen und herrlichen Aussichtspunkten. Die Strecke führte uns in einem flüssigen Rhythmus zurück nach Lam und bot bis zum letzten Kilometer alles, was eine gelungene Porsche Club Ausfahrt ausmacht.
Nach rund 76 Kilometern stand fest: Der Bayerische Wald ist ein echtes Fahrerparadies. Nicht für Höchstgeschwindigkeit, sondern für das bewusste Erleben von Landschaft, Technik und Fahrdynamik.
Zurück im Hotel blieb noch genügend Zeit für Entspannung. Der 6.500 Quadratmeter große Spa-Bereich mit sechs Pools sowie neun Saunen und Dampfbädern bot reichlich Gelegenheit dazu. Platz genug, um sich darin zu verlaufen. Am Abend traf man sich zum gemeinsamen Dinner – ganz ohne offizielles Programm, dafür mit umso mehr Gesprächsstoff.
Porsche Tour am Sonntag: von Lam nach Furth im Wald
Tour Sonntag – ca. 75 Kilometer, Fahrzeit rund 1 Stunde und 17 Minuten ohne Pausen

Auch am Sonntag zeigte sich der Bayerische Wald bei strahlendem Sonnenschein von seiner schönsten Seite. Wieder führte unsere Porsche Kolonne über herrlich geschwungene Landstraßen durch den Lamer Winkel. Dichte Fichtenwälder, saftig grüne Wiesen und beeindruckende Ausblicke auf die umliegenden Bergrücken begleiteten uns auf dem Weg über Arrach und entlang der Ausläufer des Hohen Bogens. Kleine Ortschaften wechselten sich mit langen Kurvenkombinationen ab, auf denen unsere Porsche ihre fahrdynamischen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis stellen konnten. Der Verkehr hielt sich meist in Grenzen – ideale Voraussetzungen für eine entspannte Ausfahrt unter Freunden. Je näher wir Furth im Wald kamen, desto markanter wurde die Landschaft. Die traditionsreiche Grenzstadt liegt zwischen den Höhen des Bayerischen und Oberpfälzer Waldes und blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. International bekannt ist Furth im Wald allerdings vor allem für einen ganz besonderen Bewohner: den Drachen.
Drachenhöhle Furth im Wald: Tradition trifft Hightech
Der Höhepunkt unserer Sonntagsausfahrt war die Drachenhöhle, Heimat des legendären Drachen Tradinno. Sein Name setzt sich aus den Begriffen „Tradition“ und „Innovation“ zusammen – eine durchaus treffende Beschreibung für dieses außergewöhnliche technische Kunstwerk.

Mit einer Länge von rund 15 Metern, einer Höhe von fast fünf Metern und einem Gewicht von über elf Tonnen gilt Tradinno als größter vierbeiniger Schreitroboter der Welt. Ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde unterstreicht seine außergewöhnliche Konstruktion. Angetrieben von moderner Hydraulik bewegt sich der Drache erstaunlich natürlich. Er läuft, hebt den Kopf, schlägt mit den Flügeln, bewegt Augen und Maul und stößt dabei Rauch und beeindruckende Feuerfontänen aus. Besonders spektakulär ist sein markantes Brüllen.

In der Drachenhöhle – na ja, eigentlich eher ein abgedunkelter Souvenirladen – erfahren Besucher außerdem viel über die Geschichte des berühmten Further Drachenstichs. Das traditionsreiche Volksschauspiel wird seit mehr als 500 Jahren aufgeführt und gilt als ältestes Volksschauspiel Deutschlands. Die multimediale Ausstellung verbindet historische Tradition mit moderner Technik und machte den Besuch auch für unsere Porsche Club-Gruppe zu einem besonderen Erlebnis. Mit dem Besuch der Drachenstadt neigte sich unsere Ausfahrt langsam dem Ende. Doch was wäre ein solches Wochenende ohne einen richtigen Höhepunkt? Und in diesem Fall kam das Beste tatsächlich zum Schluss.

Porsche-Sammlung in Roding: zu Besuch bei Reinhold Strasser
Ein Abstecher nach Roding, rund 35 Kilometer entfernt, führte uns zu einem außergewöhnlichen Mitglied des Porsche Club Regensburg: Reinhold Strasser. Mitgliedsnummer CR54181. Ein ganz normales Porsche Club-Mitglied. Zumindest auf den ersten Blick. Reinhold ist mittelständischer Unternehmer im Bereich CNC-Fräsen, Familienmensch, leidenschaftlicher Schrauber, Porsche Sammler und vor allem ein ganz besonderer Typ Mensch.

Sein Unternehmen RS-Mechanik liegt unscheinbar an der Hauptstraße in Roding. Kein repräsentatives Anwesen, keine imposante Firmenzentrale, sondern langgestreckte, funktionale Fabrikationshallen. Doch was sich hinter deren Toren verbirgt, lässt jedes Porsche Herz höherschlagen. Sauber aufgereiht stehen dort rund 20 Porsche. Vom klassischen Porsche 356 B T6 Cabrio bis zum aktuellen Porsche 992 GT3 RS. Unterschiedliche Baujahre, unterschiedliche Farben, unterschiedliche Charaktere.
Was sie alle gemeinsam haben? Sie sind zugelassen, fahrbereit und werden tatsächlich bewegt. Keine unbezahlbaren Ausstellungsstücke, die unter Abdeckplanen auf ihren nächsten Wertzuwachs warten. Sondern automobile Leidenschaft auf vier Rädern. Zu den besonderen Raritäten der Sammlung gehört ein Porsche GT2 RS. Auch dieses Fahrzeug steht nicht einfach nur herum, sondern wird regelmäßig gefahren. Reinhold nimmt mit seinen Porsche an Clubveranstaltungen und gemeinsamen Ausfahrten teil. Seine Begeisterung für die Marke möchte er mit anderen teilen – und genau das macht seine Sammlung so außergewöhnlich.
Porsche Restaurierung: Originaltreue bis zur letzten Schraube
Besonders beeindruckend ist die Hingabe, mit der Reinhold seine klassischen Porsche restauriert. Fahrzeuge, die er nicht mehr neu erwerben konnte, wurden vollständig zerlegt – bis zur letzten Schraube.

Die Karosserieteile ließ er zum Entlacken und Entrosten nach Zweibrücken bringen, anschließend ging es zur kathodischen Tauchgrundierung (KTL) nach Bremen. Danach begann der aufwendige Wiederaufbau. Mit höchster Präzision, viel handwerklichem Können und dem kompromisslosen Anspruch, die Fahrzeuge exakt in jenen Zustand zurückzuversetzen, in dem sie einst das Porsche-Werk verlassen hatten.
Originale Schrauben, originale Bauteile, originale Details. Für Reinhold zählt absolute Authentizität. Alles self-hand-made. Und das mit einer Leidenschaft, die man heute nur noch selten findet.


Jeden Mittwoch trifft er sich zudem mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter zu gemeinsamen Porsche-Ausfahrten. Nicht selten endet der Abend anschließend in seiner Halle, wo vor den Fahrzeugen noch lange über Technik, Historie und gemeinsame Erlebnisse gefachsimpelt wird. Hier wird schnell klar: Porsche ist für Reinhold nicht einfach eine Automarke. Es ist gelebte Leidenschaft. Club-Präsident Wilfried Marr kann stolz darauf sein, ein solches Mitglied in seinem Porsche Club Regensburg zu haben. Einen Enthusiasten, der seine automobilen Schätze nicht hinter verschlossenen Türen versteckt, sondern seine Begeisterung mit anderen teilt. Und genau darum geht es schließlich auch im Porsche Club.

Porsche-Fahrfreude und Freundschaft im Bayerischen Wald
Sieben Club-Präsidenten, sieben Porsche, zwei Tage und unzählige Erlebnisse. Die Ausfahrt durch den Bayerischen Wald hat einmal mehr gezeigt, dass ein gelungenes Porsche Club Treffen weit mehr ist als eine gemeinsame Fahrt auf schönen Straßen. Es sind die Begegnungen, die Gespräche, die Freundschaften und natürlich die Begeisterung für außergewöhnliche Automobile, die solche Wochenenden unvergesslich machen.
Danke an Wilfried Marr für die Organisation dieser besonderen Tour.



