Im Garten (Villa) Eden – die Wahrheit über gesunden Genuss
Es gibt manchmal diesen einen Moment, in dem sich Theorie und Praxis treffen. Bei mir war das nicht in einem medizinischen Behandlungsraum der Villa Eden. Nicht bei einer Analyse. Und auch nicht im Gespräch mit einem Arzt. Es war bei einem Glas Wein in trauter Runde. Plötzlich wurde mir klar: Das ganze Thema Longevity habe ich – und vermutlich viele andere auch – komplett falsch verstanden.
TEXT: Frank Gindler | BILDER: Hotel, Frank Gindler
Denn was viele abschreckt, ist Verzicht. Was es in Wahrheit ist: eine Entscheidung. Und die beginnt oft an einem Ort, der einem guttut. Für mich: Südtirol. Mein Lieblingsfleckerl Erde. Zumindest für Süddeutsche schnell erreichbar, gutes Essen, liebe Menschen. Und diese besondere Mischung aus alpiner Klarheit und mediterraner Leichtigkeit. Hier sehe ich mich um. Suche nach Qualität, nach Ruhe und nach Genuss. Und lande alsdann im „Garten Eden“, sprich das Hotel Villa Eden. Ein Rückzugsort etwas außerhalb von Meran. Kein Hotspot, sondern einer, der sich nicht aufdrängt. Eine kunstvoll im Inneren verzierte Jugendstil-Villa mit nur 25 Suiten. Diskret. Zurückhaltend. Und genau deshalb überzeugend: ein kleines Paradies mit dem treffenden Namen Villa Eden. Ich komme an – und merke sofort: Hier läuft etwas anders: Keine Hektik. Kein „Durchschleusen“, wie Check-in und ab aufs Zimmer…


Die Mitarbeiter sind keine Engel, sondern Menschen voller Herzlichkeit
Man wird wahrgenommen als Person. Vom ersten Moment an. Und nach ein, zwei Stunden, beim Blick von der Terrasse in den Garten der Villa Eden, da beginnt etwas. Ich bin da. Ich werde ruhiger. Offener. Und – was mich selbst überrascht – bereit, mich auf mich selbst einzulassen. Mit dem, was mich in den nächsten Tagen hier erwartet, geht es hier nicht darum, perfekt zu werden. Sondern darum, wieder in Balance zu kommen. Mehr Energie. Ein besseres Körpergefühl. Und vor allem: Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Schnell wird mir klar: Longevity – das passiert nicht durch ein einzelnes Treatment. Es ist die Kombination, die wirkt. Medizinische Analyse, Bewegung, Ernährung – und vor allem praktische kleinere Anwendungen die im Alltag funktionieren.
„Der Körper ist nicht dafür gemacht, still zu sitzen.“
Und dann kommt die erste ehrliche Erkenntnis: Bewegung ist keine Option. Sie ist Pflicht. Nicht im Sinne von Leistung, sondern von Funktion. Ich muss keinen Marathon laufen. Aber ich muss mich mehr bewegen. Regelmäßig. Bewusst. Also fange ich mit kleinen Schritten an. Spaziergänge werden länger. Treppensteigen wieder selbstverständlich. Klingt banal. Ist es aber nicht.
Das große Thema – Ernährung
Mein Lieblingsthema – und gleichzeitig meine größte Skepsis. Weniger Fleisch? Mehr Gemüse? Klang erstmal nach Verzicht. War es aber nicht. Es ist eine Verschiebung. Weg von „immer und alles“ – hin zu „bewusst und gezielt“. Und genau da spielt die Küche von Marcello Corrado (4 Hauben und 18/20 Punkten Gault & Millau) in der Villa Eden ihre regionale Stärke aus. Fine Dining ist hier kein Konzept – es ist eine Haltung. Alles, was aus der Küche kommt, hat Substanz. Stilvoll serviert, persönlich begleitet. Am Abend im Tasting Room by Marcello Corrado der kein Gourmet-Tempel ist und sein mag, wird das für mich noch klarer. Ich spüre tief in meinem Inneren, weil sich Fremde und Freunde am runden Tisch versammeln, eine übergreifende Gemeinschaft die uns das gibt, was lang, zurückliegt, aber die Wiege unseres Daseins ist: Family. Es ist ein Raum, der sich anpasst und sich je nach Wunsch der Gäste auch umgestalten lässt, zu fünf, maximal sechs kleinen Tischen für traute Zweisamkeit.

Und dann kommen die Gourmet-Kreationen auf den Teller. Stilvoll mit weißen Servicehandschuhen wird die Vorspeise, die Suppe und dann Südtiroler Kalbsrückensteak und/oder Wolfsbarsch serviert. Dazu ein Glas Wein aus dem historischen Weingut Castel Rametz. Und genau da wird mir klar: Longevity – Das hat nichts mit Verzicht zu tun. Im Gegenteil. Es geht nicht darum, sich etwas zu verbieten. Sondern darum, bewusster zu entscheiden. Ich esse noch Fleisch. Ich trinke noch Wein. Aber anders. Qualität statt Gewohnheit. Klasse statt Masse. Mag das vielleicht der Kern vom längeren und guten Altwerden sein? Nicht weniger leben? Sondern besser?

Mit diesem Vorgefühl lasse ich mich in den nächsten Tagen auf das ein, was hier „Behandlungen“ heißt – und werfe dabei einen Blick auf meinen Terminplan. Drei Vormittage, eng getaktet. Ehrlich gesagt, erinnert mich das eher an meinen Business-Kalender als an Erholung. Beim zweiten Hinsehen relativiert sich das Ganze. Dazwischen immer wieder Frei-Zeit. Zeit für einen Spaziergang durch Meran, ein Spaziergang entlang des Tappeiner Weges, um Meran von der anderen Seite zu bewundern, ein ruhiger Moment am Pool. Vogelgezwitscher, irgendwo quaken Frösche – und plötzlich ist sie da, diese Ruhe.
Tag 1 – Realität statt Wellness
Der Einstieg war alles andere als „nüchtern, medizinisch“. Keine Vorträge, kein erhobener Zeigefinger. Stattdessen: ein paar Haare. Genauer gesagt: meine eigenen. Zwei davon wurden kurzerhand entfernt und analysiert. Keine Esoterik, kein Hokuspokus – sondern eine erste, ziemlich direkte Bestandsaufnahme. Das Ergebnis: keine Drogen, dafür aber Mangelerscheinungen bei Vitaminen und Mineralstoffen. Dann ging es weiter mit Check-ups. Begriffe wie EPI (Extrazelluläres Phasen-Impedanz-Verfahren) und BIA (Bioelektrische Impedanzanalyse) fielen – zunächst für mich reine Abkürzungen. Dahinter steckt jedoch eine präzise Analyse der Körperzusammensetzung, Zellqualität und der Stoffwechselprozesse. 15 Minuten später stand ich im Gym. Nicht zum klassischen Training, sondern zum „Brain Gym“. Bewegung trifft auf Koordination – und erstaunlicherweise funktioniert das. Gezielt fragt man nach den Weh-Wechen, um darauf eine plausible Antwort zu geben.

Eine Stunde später saß ich ihm, Stefan Pichler, gegenüber. Ich habe mehr Fragen an und über ihn, als aufzuzählen, wo es bei mir eigentlich klemmt und knirscht. Ich höre etwas von Pranatherpeut, Liebscher & Bracht-Therapeut (auch noch zertifiziert) und etwas von holistischen Behandlungsmethoden und Psycho-Kinesiologie. Mir schwirrt der Kopf und doch nehme ich ein paar Kniffe mit, die mir zeigen, wo und wie ich meine Muskulatur selbst „auf Vordermann“ bringen kann. Klar doch, sitze ich ja den ganzen Tag vor dem Computer… Klare Worte von Stefan (in Südtirol duzt man sich): Der BMI, der Body-Mass-Index: na ja. Bewegung: zu wenig. Flüssigkeit: zu wenig (Wein und Bier zählen nicht). Und dann kam der entscheidende Satz von ihm: Bewegung ist kein Nice-to-have. Sie ist die Grundlage für Longevity.
Das wusste ich eigentlich schon lange. Nur ernst genommen habe ich es nie. Und genau da begann mein Umdenken.

Tag 2 – Wirklich mein Body?
08:30 Uhr. Für mich eigentlich noch mitten in der Nacht. Ein schneller Espresso – dann eine „Visioface“ Hautanalyse.
Ich schaue in den Spiegel und sehe mich. Die Maschine, das 100fach große Mikroskop sieht hingegen deutlich mehr. Rote, gelbe, weiße Punkte – alles hat Bedeutung. Mein Gesicht erinnert jetzt eher an einen Streuselkuchen als an ein gepflegtes Erscheinungsbild nach außen hin. Die Erkenntnis: „Nur Wasser und CD“ reichen vielleicht doch nicht. Dann folgt das, worauf ich mich tatsächlich gefreut habe: Ganzkörper-Peeling und Algenpackung! Erst wird die Haut gereinigt, vorbereitet, die Poren geöffnet – danach kommen und arbeiten erst die Wirkstoffe, die auch unter die Haut gehen. Und, noch viel entspannender: zwei Stunden Ruhe. Als ich wieder aufwache, fühlt sich meine Haut tatsächlich besser an. Ich gebe es ungern zu: Das hat was.
Tag 3 – Jetzt wird’s ernst
Ich dachte ja, endlich kommt der entspannte Teil. Falsch gedacht. Hydro-Phyto-Algen-Therapie, Cellgym. Das ist kurzgefasst: ein tiefenwirksames Entschlackungs- und Revitalisierungsverfahren für den Körper, mit warmem Wickel (oder Bäder), kombiniert mit Wasser (Hydro), Pflanzenessenzen (Phyto) und Algenextrakten. Die Wirkung: Regt das Mikrokreislaufsystem an und hilft gegen Wassereinlagerungen. Transportiert Giftstoffe aus dem Gewebe ab (Detox-Effekt). Fördert den Stoffwechsel und unterstützt gezielt die Reduktion von Fett und Cellulite. Stellt das Gleichgewicht von Fett und Feuchtigkeit in der Haut wieder her.

Und zum Abschluss: Cryo Zero Body – auf Deutsch Kältetherapie. Mich schauderte es! Nur der ganz hartgesottene Mensch verbringt zwischen fünf, die Härtesten wirklich acht (!) Minuten in so einem „Wasserbett“, von Kopf bis Fuß in Kunststofffolie eingeschlagen. Wer es zwei, vier oder sogar fünf Minuten im 2°C kalten Wasserbad aushält – mein vollster Respekt. Meine Erkenntnis: Es geht hier nicht ums Wohlfühlen, es geht um Wirkung, trotzdem bleib‘ ich eher der Warmduscher. Am dritten Tag fasse ich meine Erkenntnis zusammen: Anwendungen, die weniger auf Wohlfühlen abzielen, sondern auf Reiz und Aktivierung. Kälte, Druck, Energie. Nicht immer angenehm – aber genau darum geht es auch nicht.

Was mich am meisten überrascht: Hier geht es nicht um Entspannung, sondern um Wirkung. Und damit bin ich wieder, wie am Anfang, bei meinem Glas Wein, einen Riesling vom hauseigenen Weingut. Und genau daraus entsteht das eigentliche Fazit dieser Tage: Ich bin mit Skepsis gekommen. Ich dachte: gutes Marketing, schöner Rahmen. Und ja – das ist es auch. Aber eben nicht nur. Was bleibt, ist eine simple, fast schon unangenehme Erkenntnis: Mein Körper funktioniert anders, als ich dachte. Bewegung ist nicht verhandelbar.

Ich will aber leben und bin nicht gekommen, um alles perfekt zu machen. Aber um anzufangen. Und so frage ich mich beim Abschied: Was hat es gebracht? Vor allem eines: Ich habe aufgehört zu glauben, dass es zu spät ist. Gerade mit 60+ hat man etwas, das man früher nicht hatte: Erfahrung. Bewusstsein. Entscheidungskraft. Nicht impulsiv, sondern bewusst handeln. Eben deshalb ist es nicht zu spät. Sondern jetzt vielleicht genau der richtige Zeitpunkt. Was bleibt? Ich komme wieder. Und sage Danke – dafür, dass ich für mich meinen Körper und meine Lebensfreude in der Villa Eden wieder neu entdeckt habe.
Villa Eden Winkelweg 68-70 Meran, Südtirol, Italien +39 0473 236583 info@villa-eden.com


