The Cocochine London: Mayfairs diskreter Gourmet-Geheimtipp
Luxus muss nicht laut sein. Schon gar nicht in Mayfair, Londons wohl exklusivstem Viertel. Hier, nur wenige Schritte vom Berkeley Square entfernt, beweist The Cocochine, dass außergewöhnliches Fine Dining weder große Gesten noch prestigeträchtige Auszeichnungen braucht. Dafür einen Küchenchef mit einer bemerkenswerten Geschichte, kompromisslose Produktqualität und eine Küche, die französische Raffinesse mit den intensiven Aromen Sri Lankas verbindet.
Text: Dr. Thomas Hauer / Bilder: The Cocochine
Hinter der frisch getünchten Backsteinfassade eines aufwendig restaurierten Townhouses verbirgt sich eine der spannendsten Gourmet-Adressen Londons. Seit seiner Eröffnung 2024 gilt The Cocochine unter Kennern als Geheimtipp. Nicht zuletzt, weil das Restaurant einen wohltuenden Gegenentwurf zu den glamourösen und oft überteuerten Fine-Dining-Tempeln der britischen Hauptstadt bietet.

Statt großer Inszenierung erwartet die Gäste eine beinahe private Atmosphäre. Im dezent abgedunkelten Erdgeschoss stehen nur wenige Tische, eine Etage darüber eröffnet der Chef’s Counter den direkten Blick in die offene Küche. Unter dem Dach schließlich befindet sich ein exklusiver Private-Dining-Bereich mit offenem Kamin. Ein Rückzugsort für alle, die diskreten Luxus zu schätzen wissen.

Dass hier nichts dem Zufall überlassen wird, zeigt sich bereits beim Interieur. Jedes Möbelstück, jedes Detail wurde eigens für The Cocochine entworfen. An den Wänden hängen Originalwerke von Francis Bacon, David Hockney, Pablo Picasso und Henri Matisse. Doch die Kunst dient nicht als bloßes Statussymbol. Sie ist Teil einer Philosophie, die Gastronomie als Gesamtkunstwerk versteht. Moderne Küche trifft auf Gastfreundschaft der alten Schule.
Vom Straßenkind zum gefeierten Küchenchef
Hinter diesem außergewöhnlichen Konzept steht Chef-Patron Larry Jayasekara, dessen Lebensgeschichte spannender ist als mancher Roman. Geboren im sri-lankischen Hikkaduwa, verbrachte er einen Teil seiner Kindheit auf der Straße, bevor er in jungen Jahren nach Großbritannien kam und dort seine Leidenschaft für das Kochen entdeckte. Nach seiner Ausbildung in Devon führte ihn sein Weg durch einige der renommiertesten Küchen Europas. Er arbeitete bei Alain Roux im legendären Waterside Inn, bei Raymond Blanc im Le Manoir aux Quat’Saisons, unter Clare Smyth im Restaurant Gordon Ramsay sowie bei der französischen Küchenlegende Michel Bras in Aubrac. Als Küchenchef des Londoner Restaurants Pétrus wurde Jayasekara 2016 schließlich zum „National Chef of the Year“ gekürt.
The Cocochine ist eine jener seltenen Adressen, an denen Fine Dining nicht zur Show wird, sondern zu einer sehr persönlichen Erfahrung. Ein Restaurant, das nicht beeindrucken muss, weil es genau das ganz selbstverständlich tut.
Französische Perfektion trifft auf die exotischen Aromen Sri Lankas
Mit The Cocochine verwirklichte er nun seinen Traum vom ersten eigenen Restaurant – und einer Küche, die seine persönliche Geschichte erzählt. Das kulinarische Fundament seiner Küche ist klassisch französisch. Doch was Jayasekara daraus macht, geht weit über traditionelle Haute Cuisine hinaus. Pandan, Kokos, Tamarinde, Jaggery, Kardamom und fein dosierte Chilinoten verleihen seinen Kreationen eine unverwechselbare Handschrift.

Schottischer Steinbutt trifft auf duftige Kokosnoten und eine würzige Garnelen-Sauce. Hummer wird im Bananenblatt direkt am Tisch gegrillt. Und selbst ein traditionelles sri-lankisches Dessert wie Watalappam, eine Art Crème Caramel, erhält durch eine großzügige Nocke Oscietra-Kaviar eine ebenso luxuriöse wie überraschende Pointe. Das Ergebnis ist kein beliebiger Fusion-Food-Trend, sondern eine höchst persönliche Cuisine d’auteur. Französische Kochkunst, erstklassige britische Produkte und südasiatische Aromen verschmelzen zu einem eigenständigen Fine-Dining-Erlebnis, das sich bewusst von den Konventionen der Londoner Luxushotellerie und Spitzengastronomie abhebt.

Luxus beginnt beim Produkt
Eine zentrale Rolle spielt die Herkunft der Zutaten. Ein großer Teil der Produkte stammt vom Rowler Estate in Northamptonshire, rund 60 Meilen nördlich von London. Lamm, Rind, Wild, Gemüse und frische Kräuter kommen von dort direkt in die Küche des Cocochine.


Fisch und Krustentiere werden dagegen überwiegend aus den kalten Gewässern rund um die schottische Privatinsel Tanera Mòr bezogen. Besonders die dort von Hand getauchten Jakobsmuscheln gelten als außergewöhnliche Delikatesse und gehören zu den kulinarischen Höhepunkten des Menüs.

Diese kompromisslose Konzentration auf Qualität und Herkunft macht The Cocochine zu einer besonderen Adresse für anspruchsvolle Food-Liebhaber. Umso erstaunlicher, dass sich die Preise für ein Restaurant dieser Klasse im Londoner Vergleich ausgesprochen moderat präsentieren.
Große Weine, große Namen
Auch die Weinkarte spielt in der obersten Liga. Neben außergewöhnlichen Jahrgängen finden sich spektakuläre Großformate, die selbst erfahrene Weinkenner ins Schwärmen bringen dürften. Wer möchte und über das entsprechende Budget verfügt, kann sich eine Sechs-Liter-Flasche Château Pétrus gönnen. Aber auch Liebhaber von Romanée-Conti oder Vega Sicilia werden hier fündig.

Am Ende ist es jedoch nicht der demonstrative Luxus, der The Cocochine so besonders macht. Es ist die Verbindung aus Persönlichkeit, handwerklicher Perfektion, herausragenden Produkten und einer Atmosphäre, die selbst im exklusiven Mayfair bemerkenswert entspannt wirkt.

Weitere Informationen: www.thecocochine.com


